taxonomie ECORE: auf dem Weg zum Branchenstandard

Mit ECORE haben Immobilien-Bestandshalter erstmals ein Instrument, mit dem sie den Ist-Zustand ihrer Immobilien in Sachen Nachhaltigkeit präzise bewerten können – und den Abstand zum Sollzustand. Blaupause für den neuen Standard war das Label atmosphere, das Union Investment entwickelt hat.

Taxonomiekonform ist noch nicht gleich klimaneutral

Der Weg zur klimafreundlichen Immobilie ist lang. Aber wie lang genau? Wenn Bestandshalter von Immobilien grüne Dächer anlegen, smarte Strom- und Wärmezähler einbauen oder auf erneuerbare Energien umsteigen, ist klar: Das ist nachhaltig. Unklar aber bleibt: Wie nachhaltig ist das Gebäude? Und was müsste getan werden, um die langfristig angestrebten Nachhaltigkeitsziele vollständig zu erreichen?
Selbst die Taxonomie-Regeln des EU Action Plan legen Kriterien fest, ab wann ein Gebäude als nachhaltig gilt. Dies sagt noch nichts aus über das Ziel der Klimaneutralität, wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt. „Die Taxonomie-Verordnung der EU definiert zwar, wann ein Gebäude als nachhaltig gilt, aber nicht, wie viele nachhaltige Gebäude ein Fonds enthalten muss, damit er insgesamt als nachhaltig gewichtet wird“, sagt Jan von Mallinckrodt, Head of Sustainability bei Union Investment Real Estate. Im Rahmen der Taxonomie bleibt bis jetzt unklar, wie lang die Wegstrecke ist, die Bestandshalter noch zurücklegen müssen, um Klimaneutralität zu erreichen. Die Antwort auf diese Fragen soll ein neuer Standard liefern. Bereits 2019 hatte Union Investment das atmosphere Scoring entwickelt, welches auf dem bereits seit 2009 eingesetzten Sustainable Investment Check des Unternehmens beruht. Die Idee des Scorings ist, eine echte Vergleichbarkeit für Anleger und Mieter für Fonds und Immobilien hinsichtlich der tatsächlichen Nachhaltigkeit herzustellen. Schon damals war klar, dass dies nur funktioniert, wenn die gesamte Branche diesen Standard nutzt. Das ausgeklügelte atmosphere Scoring diente darum als Blaupause für die Initiative ECORE, deren Name für „ESG Circle of Real Estate“ steht. Union Investment war durch das Zusammenführen mehrerer Bestandshalter maßgeblich daran beteiligt.“
In ECORE erhalten Bestandshalter und Fondsmanager nach einem Scoring-System ein Ergebnis auf einer Skala von 1 bis 100. Ermittelt wird die Kennzahl anhand von Kriterien, die jährlich innerhalb der Initiative abgefragt werden. Neben qualitativen Gebäudedaten und quantitativen Verbrauchsdaten wird dabei auch geprüft, ob die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllt sind. Zunächst orientiert sich ECORE an den Zielen für das Jahr 2030. „Das ist ein wichtiger Zwischenschritt. Denn noch immer sind viele Fragen dazu, wie sich Klimaneutralität im Gebäudesektor umsetzen lässt, nicht beantwortet“, sagt Jan von Mallinckrodt.  ↓

 

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Auch wenn Bestandhalter nachhaltige Maßnahmen einleiten, bleibt unklar: Wie nachhaltig ist das gesamte Gebäude?
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In drei Bereichen werden Punkte vergeben

Dafür werden bei ECORE Daten aus drei Bereichen abgefragt: Im ersten Teil „Governance“ stehen beispielsweise die Nachhaltigkeitsstrategie oder Kommunikation im Vordergrund.
Im zweiten Teil „Verbräuche und Emissionen“ sind CO2-Emissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallaufkommen die zentralen Themen. Dazu gehören Fragen, wie Energieverbräuche erfasst werden und wie häufig sie erfasst werden. „Wichtig bei der Datenerfassung ist beispielsweise auch, ob es sich nur um die Allgemeinflächen handelt oder auch Mietflächen erfasst werden. Daten überhaupt zu erfassen, ist enorm wichtig“, sagt von Mallinckrodt. „Nur so hat ein Bestandshalter die Möglichkeit, tatsächlich Gebäude zu optimieren und die Transformation herbeizuführen.“ Der Asset Check im dritten Teil des ECORE Scorings umfasst sieben qualitative Themenfelder: Gebäudeautomation, Hülle und Technik, Ressourcen, Nutzerkomfort, Ökonomie, Lage und Maßnahmen im Betrieb.  ↓

„Daten zu erfassen ist enorm wichtig. Nur so hat ein Bestandshalter die Möglichkeit, tatsächlich Gebäude zu optimieren und die Transformation herbeizuführen.“ Jan von Mallinckrodt Head of Sustainability bei der Union Investment Real Estate
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Die Branche tauscht Erfahrungen aus

Per Herbst sind bereits 110 Immobilien-Bestandshalter, Projektentwickler und Banken aus der DACH-Region Teilnehmer von ECORE. Das Scoring-Modell wurde in einer Pilotphase getestet. Die Ergebnisse helfen, die Logik zu verbessern und ab den zweiten Quartal 2022 ein praxistaugliches Steuerungs-, Kommunikations- und Benchmarking -Tool zu haben. Die Ergebnisse dieses Piloten werden helfen, das Scoring weiter zu validieren und zu verbessern.
Noch gibt es einige Hürden zu nehmen – auch mit Sicht auf einen möglichen europäischen oder sogar weltweiten Standard. „Neben dem Scoring ist auch der Austausch der Teilnehmer der Initiative über ihre Erfahrungen mit Maßnahmen und Dienstleistern sehr wertvoll“, sagt Jan von Mallinckrodt.  •    

 

„So tauschen sich viele Marktteilnehmer aus und erfahren dabei, welche Maßnahmen funktionieren und welche nicht.“ Jan von Mallinckrodt Head of Sustainability bei Union Investment Real Estate
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Bilder: Getty Images (3), Union Investment / Adele Marschner